Bis Januar 2005 sind mehrere Magisterarbeiten zu UG (Umweltgerechtigkeit) an sozialwissenschaftlichen Instituten deutscher Universitäten verfaßt worden; mindestens eine Promotion dazu ist geplant.
UG war ein Unterthema auf dem Soziologentag im Herbst 2004 in München, allerdings verkoppelt mit dem sehr viel breiteren Thema ökologische Gerechtigkeit - d.h.: (Chancen-, Verteilungs-, Verfahrens-) Gerechtigkeit gegenüber allen Lebewesen auf der Erde -, und z.T. sehr anders interpretiert als in der internationalen UG-Diskussion.
Das ESN (Environment & Society Network; Website: http://www.esa-esn.org) der ESA (European Sociological Association) will auf der ESA-Konferenz am 9-13.9.2005 an der Nicholas Copernicus-Universität in Torun/Polen eine Session über "UG und Umweltpolitik" veranstalten. Abstracts bis zum 15.2.2005 per Email an den Netzwerk-Koordinator: Kris van Koppen, Environmental Policy Group, Wageningen University, Hollandseweg 1, 6706 KN Wageningen, Niederlande, Email: kris.vankoppen@wur.nl.
APUG (Aktionsprogramm Umwelt & Gesundheit)-NRW hat auf seinem zweiten Forum im November 2004 in Bonn diskutiert, ob UG als Querschnittsthema mit aufgenommen werden soll. Eine positive Entscheidung steht bisher noch aus, ist aber zu erwarten.
Wichtige neue UG-relevante Publikationen:
APUG (Aktionsprogramm Umwelt & Gesundheit)-NRW hat Umweltgerechtigkeit (UG) als Querschnittsthema mit aufgenommen. Als Einstieg werden Daten der "Hot-Spot"-Studie (Luftbelastung in bestimmten Stadtteilen von Duisburg und Dortmund, verglichen mit Borken) unter UG-Aspekten analysiert, vom Institut für Medizinische Information/Biometrie/Epidemiologie (IMIBE)des Uni-Klinikums Essen.
Die Stadt Kassel hat eine Studie zur sozialräumlichen Verteilung von Kriterien der Umweltgüte ans Zentrum für Umweltsystemforschung der Universität Kassel vergeben.
Die Bundeszentrale für politische Bildung veranstaltet im November in Berlin eine Tagung zu "Nachhaltigkeit, Lebensqualität und Umweltgerechtigkeit" unter Leitung von Prof. Kuckartz, Universität Marburg.
Während eines zwei-monatigen Forschungsaufenthalts in Edinburgh habe ich selber für Friends of the Earth Scotland (FoES) eine Bestandsaufnahme der UG-Politik in Schottland vorgenommen. UG ist 2002 in einer "environment speech" des First Ministers zum wichtigen Ziel der schottischen Regierung erklärt worden, was in der Koalitionsvereinbarung von Labour und Liberaldemokraten 2003 bekräftigt wurde. Es sind mehrere Studien zu Fragen der Verfahrens- und vor allem Verteilungsgerechtigkeit von Umweltbelastungen in Schottland durchgeführt worden. Neben der UG befürwortenden obersten politischen Ebene gibt es in Schottland eine engagierte Gruppe von UG-Experten in verschiedenen Institutionen, die das Thema beharrlich voranbringen, und eine Auflösung in "sustainable development/growth" verhindert haben. UG-relevante politische Aktivitäten beziehen sich bisher eher auf Verfahrensaspekte, z.T. initiiert von außen (Aarhus-Deklaration, EU-Direktiven). Verteilungsaspekte werden noch weitgehend ausgeklammert. Die realen Belastungen konzentrieren sich sehr stark im "central belt" zwischen Edinburgh und Glasgow.
Wichtige neue UG-relevante Publikationen:
Hurricane Katrina, der im September 2oo5 die Golfküste der USA heimsuchte, ist ein aktuelles Beispiel für mangelnde Umweltgerechtigkeit - die Opfer in New Orleans waren fast ausschließlich farbige US-Bürger.
Am Umweltforschungszentrum der Uni Kassel fand im Wintersemester 2oo5/6 eine kleine Veranstaltungsreihe zu UG (Umweltgerechtigkeit) statt, organisiert von Dr. Köckler (s.u.). Die Beiträge stehen im Netz.
Die Bundeszentrale für politische Bildung führte im November 2005 in Berlin eine dreitägige, gutbesuchte Fortbildung zu Nachhaltigkeit und UG durch, die sich vor allem an Lehrer und Erwachsenenbildner richtete (Organisation: Prof. Dr. Kuckartz, Uni Marburg).
Im Rahmen des Aktionsprogramms Umwelt & Gesundheit Nordrhein-Westfalen (APUG-NRW) wurde ab Herbst 2005 eine Sekundäranalyse der "Hot Spot"-Daten unter UG-Perspektive unter Leitung von Dr. Hoffmann vom Uni-Klinikum Essen (s.u.) durchgeführt. Organisation aufseiten von APUG-NRW durch Dr. Rauchfuss (Landesumweltamt NRW in Essen).
Zum Soziologentag im Oktober 2006 in Kassel soll versucht werden, eine Arbeitsgruppe zu UG einzurichten und einen entsprechenden Workshop durchzuführen (Ansprechpartner: Elvers, Köckler, Maschewsky).
Die schottische Regierung hat Mitte Dezember einen Bericht zu ihrer UG-Politik vorgelegt (s.u. Scottish Executive 2005). Etwa zeitgleich erschien mein Bericht zum selben Thema im Internet (s.u. Maschewsky 2005).
Wichtige neue UG-relevante Publikationen:
Beim Soziologentag 2006 (33. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, DGS) in Kassel findet am 10.10. 06 nachmittags ein Workshop zu Umweltgerechtigkeit mit sieben Beiträgen statt. Nähere Infos unter http://www.uni-kassel.de/fb5/soziologie/dgs2006/html/programm.htm.
Bei der BKK-Satellitentagung "Mehr Gesundheit für Alle" zum 12. Kongreß Armut & Gesundheit (1.-2.12.06) in Berlin findet am 30.11.06 nachmittags (14 -16 h) ein Workshop zur Gesundheitsverträglichkeitsprüfung und UG mit vier Beiträgen statt (Leitung: Prof. Geene, Hochschule Magdeburg/Stendal). Nähere Infos unter www.gesundheitberlin.de.
Die Zeitschrift Umwelt - Medizin - Gesellschaft hat ein Schwerpunktheft zu UG (3/2006) mit drei Beiträgen (s.u.) herausgegeben. Nähere Infos unter http://www.umwelt-medizin-gesellschaft.de. Im Editorial berichtet Tamara Steger, PhD (Central European University, Center for Environmental Policy and Law, Budapest), daß in Osteuropa eine transnationale "Coalition for Environmental Justice (CEJ) gegründet wurde, die Menschenrechts- mit Umweltfragen verknüpfen will und sich u.a. auf Studien des UN-Entwickl-ungsprogramms (UNDP) bezieht.
Rachelīs Democracy & Health News (# 861, 29.6.2006) berichtet in einem Beitrag von JH Guth, daß die US-Bundesregierung - gemäß Vorrangklausel des Artikels VI der US-Verfassung - auf breiter Front zunehmend progressive einzelstaatliche Sozial-, Gesundheits-, Verbraucher- und Umweltschutzgesetze außer Kraft setzt. Ziel ist bloße Deregulierung, da keine Bundesgesetze an die Stelle der abgeschafften einzelstaatlichen Gesetze tritt.Nähere Infos unter http://www.rachel.org.
Neue Literatur zu UG:
Auf dem Soziologentag 2006 der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) in Kassel fand am 10.10. ein gut besuchter Workshop zu Umwelt-gerechtigkeit (UG) statt. Im Anschluß an den Workshop trafen sich ca 10 UG-Interessierte, vereinbarten einen weiteren Informationsaustausch und ein Treffen im Frühjahr 2007. Ansprechpartner sind Frau Köckler (Kassel) und Herr Elvers (vormals Halle; jetzt Berlin). Denkbar ist u.a. die Gründung einer Art UG-Kompetenznetzwerk, das UG-Aktivitäten und -Forschung anregt, dokumentiert, evtl. auch koordiniert.
Das Umweltbundesamt (UBA) vergab 2005 eine Studie mit dem Titel "Weiterentwicklung der konzeptionellen Überlegungen zur Ökologischen Gerechtigkeit als Teil der Sozialberichterstattung in Deutschland auf der Grundlage von Experteninterviews und eines Fachgesprächs" (UFOPLAN 2005, FKZ 205 17 103). Auftragnehmer waren das Wuppertal Institut und das Wissenschaftszentrum Nordrhein-Westfalen (Institut Arbeit und Technik). Ergebnisse sind unter www.umweltbundesamt.de, Themenbereich Umweltbewußtsein und nachhaltiger Konsum, Stichwort Ökologische Gerechtigkeit zu finden.
Am 30./31.10.2006 fand dazu ein Fachgespräch in Berlin mit ausgewählten Teilnehmern statt, in denen die drei Teilstudien (Bezug zu Umweltpolitik, Sozialpolitik, Sozialberichterstattung) vorgestellt und diskutiert wurden. Ein Aufgreifen von, Bezug zu und Relevanz für UG war nicht erkennbar.
Am 1.2.2007 veranstaltete das Katholisch-Soziale Institut (KSI; www.ksi.de)in Bad Honnef das "1. Zukunftsforum Umweltgerechtigkeit" (Moderation: Dr. van Saan-Klein, Beatrice.vSK@t-online.de). Die Tagung wurde unterstützt vom NRW-Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (MUNLV) im Rahmen des Aktionsprogramms Umwelt & Gesundheit NRW (APUG-NRW).
Vom 18.-21.9.07 findet in Augsburg der gemeinsame Kongreß der Fachgesellschaften DGSMP, DGMS, GMDS und DGEpi statt, mit einem sehr breiten und differenzierten Programm zu Epidemiologie, Public Health und Sozialmedizin (963 Beiträge). In diesem Rahmen gibt es am Donnerstag, dem 20.9., von 11.00 - 12.30 einen Workshop zu Umweltgerechtigkeit (UG) mit sieben Beiträgen (Vorsitz: Dr. Bolte, Dr. Mielck). Nähere Informationen und Anmeldung unter www.dgsmp.de.
Vom 22.-24.11.07 findet in Bielefeld die erste Jahrestagung der Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin (GHUP) - in Verbindung mit der 10. Jahrestagung des Landesinstituts für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (LÖGD) NRW - statt. Kongreßpräsidenten: Prof. Dr. Claudia Hornberg (Universität Bielefeld), PD Dr. Rainer Fehr (LÖGD-NRW). Das Themenspektrum ist breit und umfaßt auch UG. Abgabetermin für Abstracts: 15.7.07. Infos unter www.conventus.de/ghup2007.
Vom 30.11.-1.12.07 findet in Berlin der 13. Kongreß Armut und Gesundheit statt, unter dem Motto "Teilhabe stärken - Empowerment fördern - Gesundheitschancen verbessern". Dort fanden in den letzten Jahren regelmäßig Vorträge oder Workshops zu UG statt. Das vollständige Programm ist aber bisher noch nicht im Netz. Information unter www.gesundheitberlin.de oder kongress@gesundheitberlin.de.
Die Wochenzeitung "Das Parlament" hat in ihrer Beilage "Aus Politik und Zeitgeschichte", Nr. 24/2007, zwei Beiträge zu umweltbezogener bzw. ökologischer Gerechtigkeit veröffentlicht. Kontakt: www.bpb.bund.de.
Auf Yahoo wurde Ende 2007 eine Newsgroup Umweltgerechtigkeit eingerichtet (http://de.groups.yahoo.com/group/umweltgerechtigkeit). Teilnahme steht Interessierten offen, nach Absprache mit dem Moderator (Kontakt: umweltgerechtigkeit-owner@yahoogroups.de). Nachrichten an die Gruppe über umweltgerechtigkeit@yahoogroups.de. Die Newsgroup soll einen schnellen und flexiblen Austausch zu UG ermöglichen.
Parallel zur Newsgroup UG wurde von denselben Personen (Redaktionsteam Elvers, Köckler, Schlüns; Mitarbeit Bunge, Katzschner, Maschewsky) im Januar 2008 der erste Rundbrief [NG:UG] herausgegeben. Er ist auf der oben genannten Nerwsgroup zu finden und dient demselben Zweck.
Am 23.11.07 fand im Rahmen der 1. GHUP-Konferenz (Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Prävention) in Bielefeld ein gut besuchter (40 Teilnehmer) UG-Workshop mit 6 Beiträgen (davon zwei Bachelor-Abschlußarbeiten) statt. Mehr Informationen unter http://conventus.de/ghup2007.
Im Rahmen des 13. Kongresses Armut und Gesundheit in Berlin fand am 30.11.07 der Workshop "Schichtenspezifische Umweltbelastungen bei Kindern und Jugendlichen" statt, auf dem vor allem Ergebnsse aus dem Kinder-Umwelt-Survey (KUS) vorgestellt wurden. Mehr Informationen unter http://www.gesundheitberlin.de.
Am 13.12.07 fand in der NABU-Bundesgeschäftsstelle in Berlin ein Fachgespräch "Ökologische Gerechtigkeit" statt, vorbereitet und koordiniert von Frau Littmeier vom DNR (Deutscher Naturschutzring). Die Veranstaltung war gut besucht (Wissenschaftler, Vertreter aus Parteien, Behörden, Ministerien, Umweltverbänden, Mitarbeiter mehrerer Bundestagsabgeordneter). Mehr Informationen unter http://tinyurl.com/3yj6wm.
In Schottland wurde 2007 ein UG-Fond (environmental justice fund; EJF) in Höhe von 2 Mio Ģ eingerichtet, mit einer Laufzeit von nur einem Jahr. Die Gelder werden von "Forward Scotland" verwaltet - einer Institution, die auch schon für andere Umweltprojekte der Regierung als Drittmittelgeber tätig ist - und sollen Gemeinden für UG-Projekte zur Verfügung stehen.
Bei der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz in Berlin wird inzwischen das Thema UG aufgegriffen, in Anlehnung an ähnliche Entwicklungen in München, Hamburg (ansatzweise) und im Ruhrgebiet. Es sind zwei Teilprojekte geplant: (a) Ungleiche Verteilung der Umweltbelastung (v.a. Verkehr, Lärm, Feinstaub) bezogen auf einen innerstädtischen Bezirk; (b) Umweltbelastungen bezogen auf ein benachteiligtes Stadtgebiet (sozialer Brennpunkt), z.B. Kottbusser Tor. Ansprechpartner sind Dr. med. Luck-Bertschat und Dr.-Ing. Klimeczek.
Neue Literatur zu UG:
1. Die GP Forschungsgruppe veranstaltet im Auftrag von BMU/UBA am 13./14.10.08 in Berlin eine Fachtagung zu "Umwelt und Gerechtigkeit". Ziel ist die Erarbeitung von Konzepten gegen soziale Ausgrenzung und für ökologische Fairness. Begrenzte Teilnehmerzahl. Infos unter www.gp-f.com.
2. Frau Prof. Hornberg (Uni Bielefeld) organisiert im Auftrag von BMU/UBA für den 27./28.10.08 in Berlin eine Fachtagung zu "Umweltgerechtigkeit - die soziale Verteilung gesundheitsrelevanter Umweltbelastungen" mit internationaler Beteiligung.
3. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) führt derzeit ein UG-Projekt durch. Schwerpunkt sind Ansatzmöglichkeiten in Kommunen, um die Situation vor Ort zu verbessern. Gesucht werden aktuell gute Praxisbeispiele. Infos unter www.duh.de/umweltgerechtigkeit.html.
4. Gesundheit Berlin e.V. veranstaltet am 5./6.12.08 den 14. Kongreß "Armut & Gesundheit" in Berlin, unter dem Motto "Gerechtigkeit schafft mehr Gesundheit für Alle". Dies ist seit Jahren die größte Public Health-Veranstaltung in der BRD, und hatte häufig UG-Workshops. Infos unter www.gesundheitberlin.de.
5. In Kooperation mit der Senatsverwaltung für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (SenGUV) Berlin ist bei den Geographen der Humboldt-Uni eine Bachelor-Arbeiten zu UG mit GIS-Methodik auf dem Weg. Weitere Arbeiten und Kooperationen mit anderen Unis sind angedacht. Erste Ergebnisse werden wahrscheinlich am 27./28.10.08 auf der Fachtagung von BMU/UBA vorgestellt. Kontakt unter heinz-josef.klimeczek@senguv.berlin.de und gudrun.luck-bertschat@senguv.berlin.de.
6. In den USA ist in 5/08 beim privaten Verlag Mary Ann Liebert Inc. eine neue Zeitschrift "Environmental Justice" erschienen, geplant vierteljährlich, peer-reviewed, mit breitem Spektrum (Politik, Historie, Empirie, Rezensionen, etc.). In der kostenlosen ersten Ausgabe ist z.B. ein Beitrag über UG in Osteuropa von Steger/Filcak enthalten; ebenso ein Beitrag von Taylor et al mit Ausführungen u.a. zur UG-Relevanz von "neighbourhood walkability and urban design". Zugang über www.liebertpub.com/env.
7. Das" American Journal of Public Health" (AJPH) plant (für Herbst 08?) eine Sonderausgabe zu UG, die nur elekronisch verfügbar sein soll.
8. Die kostenlose und im Netz verfügbare UBA-Zeitschrift "UMID" (Umweltmedizinischer Informationsdienst) hat in der Ausgabe 2/2008 "Umweltgerechtigkeit - Umwelt, Gesundheit und soziale Lage" zum Thema. Das Heft enthält elf Beiträge mit breiter Thematik. Die Mehrzahl der Beiträge befaßt sich allerdings mit sozialen, nicht sozialräumlichen Unterschieden bei Umweltexpositionen, d.h. eigentlich mit umweltbezogener gesundheitlicher Ungleichheit. Ein Grund könnte - neben der Verfügbarkeit bestimmter Arten von Daten z.B. in Umweltsurveys - die in der BRD bisher eher geringe räumliche Trennung sozialer Gruppen im Wohnbereich (soziale Wohnsegregation) sein. Zugang über www.umweltbundesamt.de/umid.
9. Die Newsgroup Umweltgerechtigkeit [NG:UG] hat Rundbrief 02/08 erstellt. Zugang über http://de.groups.yahoo.com/group/umweltgerechtigkeit bzw. den Moderator umweltgerechtigkeit-owner@yahoogroups.de.
Neue Literatur zu UG (Auswahl):
1. Die Newsgroup Umweltgerechtigkeit [NG:UG] hat den neuen Rundbrief 03/08 herausgebracht. Er enthält wieder aktuelle Infos und Hinweise. Zugang über http://de.groups.yahoo.com/group/umweltgerechtigkeit.
2. Umweltgerechtigkeit (UG) ist als politisches Thema weiter im Aufwind. Am 27./28.10.08 fand in Berlin im Auftrag von BMU/UBA die Fachtagung "Umweltgerechtigkeit - die soziale Verteilung von gesundheitsrelevanten Umweltbelastungen" statt (organisiert von Frau Prof. Hornberg, Uni Bielefeld). Die Veranstaltung war gut besucht (vorwiegend aus Wissenschaft und Behörden/Ministerien); zwei Referenten kamen aus Großbritannien. Am Ende der Tagung wurde die Einrichtung einer Arbeitsgruppe zu UG-Indikatoren abgesprochen. Am 11.11.08 fand in Berlin die BMU/DGB-Tagung "Soziale Dimension von Umwelt und Gesundheit - Perspektiven für gesunde Arbeits- und Lebenswelten" statt, mit deutlichem UG-Bezug. Beim 14. Kongreß "Armut & Gesundheit" am 5./6.12.08 in Berlin gab es wieder einen UG-Workshop.
3. Vom 31.3.-1.4.09 wird von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) - die ein UG-Projekt durchführt - ein Kongreß zu UG in Frankfurt/M. stattfinden. Infos unter www.duh.de/umweltgerechtigkeit.html.
4. Die WHO-Europa hat "inequity in environment and health" als "emerging issue" anerkannt, den sie 2009 auf der 5. Europäischen Konferenz der Umwelt- und Gesundheitsminister in Parma (Italien) einbringen will. Infos unter www.euro.who.int/eehc/conferences/20080117_1.
5. Die Zahl der Abschlußarbeiten mit UG-Bezug nimmt weiter zu - aktuell Arbeiten aus Raumplanung und Geographie von Brückner, Mertens und Riedel (s. [NG:UG] 03/08).
6. Jon Fairburn und Graham Smith vom IESR (Institute for Environment, Sustainability and Regeneration) an der Staffordshire University haben eine UG-Studie zu South Yorkshire für die britische Umweltbehörde gemacht. Die Studie ist insbesondere unter methodischem Aspekt interessant. Infos unter htpps://publications.environment-agency.gov.uk/epages/eapublications. Zur Studie ist ebenfalls ein kürzerer Aufsatz erschienen (s.u.).
7. Inzwischen sind drei weitere Ausgaben der Zeitschrift "Environmental Justice" erschienen, mit breitem Themenspektrum. Einige Beispiele (s.u.): UG und Hurrikan Katrina, UG-Regulierung und Hautfarbe (2/2008); UG und Gender, UG in Südafrika, Verfahrensgerechtigkeit bei UG (3/2008); UG und Arbeit, UG in Brasilien, UG in UK, UG und Planung, UG und Kinder (4/2008). Zugang über www.liebertpub.com/env.
Neue Literatur zu UG:
1. In 2/2009 fand eine zweitägige Tagung der EU-Kommission zu "social fairness in sustainable development" statt, bei der UG angesprochen wurde.
2. Der UG-Kongreß der Deutschen Umwelthilfe (DUH) am 31.3./1.4.2009 in Frankfurt/M. war gut besucht von Wissenschaftlern, Vertretern von Kommunen, Sozial- und Umweltverbänden. Drei Themenfelder wurden in 13 Referaten behandelt: Verkehr und Lärm, Klimaschutz, Stadt und Grün. Eine Dokumentation ist in Arbeit. Infos unter www.duh.de.
3. Auf die APUG-Website wurde eine neue UG-Rubrik aufgenommen (www.apug.de). Dies spiegelt eine wachsende politische Beachtung - zumindest auf der symbolisch-politischen Ebene - von UG wider. Allerdings deutet der Langtitel ("Umweltgerechtigkeit - Umwelt, Gesundheit und soziale Lage") eine mögliche Blickverengung von UG auf umweltbezogene Public Health an, was die Kooperation mit Geographen, Planern, Stadtsoziologen, etc. nicht erleichtern dürfte.
4. Beim Umweltbundesamt ist unter dem Titel "Umwelt, Gesundheit und soziale Lage" (Autorinnen: Bunge, Katzschner; 69 S.) eine Kurzdarstellung von 18 Studien zur umweltbezogenen Public Health in Deutschland erschienen. Download unter www.umweltbundesamt.de.
5. Bei dem in früheren NUG-Ausgaben bereits erwähnten UG-Projekt (Dr. Klimeczek) bei der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz in Berlin (SenGUV) sind weitere Berichte der kooperierenden Uni-Institute (TU Berlin, HU Berlin, UFZ Leipzig) eingegangen, mit detaillierten Analysen - bei gleichem Raumbezug - von vier gesundheitsrelevanten Umweltbereichen. Weiterer externer Sachverstand (SenStadt, BUND, Difu) wurde einbezogen. Das ermöglicht als nächsten Schritt die Analyse kleinräumiger Mehrfachbelastungen. Die drei Uni-Institute werden - nach Absprache mit dem UG-Projekt bei SenGUV - voraussichtlich einen entsprechenden Forschungsantrag beim UBA stellen.
6. Jon Fairburn vom IESR (Institute for Environment, Sustainability and Regeneration) an der Staffordshire University hat auf einen aktuell stark beachteten UG-Skandal in UK hingewiesen. In der Kleinstadt Corby (Northamptonshire) wurde von 1985 bis 1999 ein Stahlwerk abgerissen, unter massiver Verletzung von Umweltstandards. Bei Dutzenden Kindern, die in diesem Zeitraum geboren wurden, traten Verstümmelungen an Armen und Beinen auf. 18 Eltern verklagten den Corby Borough Council in einem über 10-jährigen Rechtsstreit. 16 von ihnen wurde in 7/2009 vom High Court eine vorläufige Entschädigung von 1,6 Mio BP zugesprochen (zur Begleichung der Anwaltskosten). Der Richter bejahte Verantwortung und Haftung der Gemeinde und eröffnete den Weg für Privatklagen (mit hohen Schadensersatzforderungen), bei denen der Zusammenhang zwischen bereits nachgewiesener schwerer Umweltverschmutzung durch die Gemeinde und den individuellen Gesundheitsproblemen der Kinder bewiesen werden muß. Dieser Weg ist schwer, oft erfolglos (anschaulich von Grisham im Roman "The appeal" beschrieben), manchmal aber auch erfolgreich (z.B. im authentischen Fall Erin Brockovich; verfilmt mit Oscar-Prämierung).
7. Inzwischen sind zwei weitere Ausgaben der Zeitschrift "Environmental Justice" erschienen, mit weiter Perspektive auf UG. Themen sind z.B. UG in verschiedenen Ländern, wie Brasilien, Südafrika (1/2009) und Singapur (2/2009); UG bei der Plazierung von Atomanlagen (2/2009); etc. Zugang über www.liebertpub.com/env.
Neue Literatur zu UG:
1. Die UNO-Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember 2009 ist kläglich gescheitert. Wesentlicher Grund: die Industrieländer weigerten sich, für Klimaschutz in Entwicklungsländern auch nur 1 % der Mittel einzusetzen, die sie zur Sanierung der Großbanken bereitstellen. Internationale Umweltpolitik bleibt so weitgehend "symbolische Politik". Für das Anliegen von Umweltgerechtigkeit (UG) stimmt dies wenig optimistisch.
2. Das schwere Erdbeben in Haiti am 12.1.2010 hat - wie die Flutkatastrophe durch Hurrikan Katrina in New Orleans in 9/2005 - wieder gezeigt, daß auch die Rettung von Umweltopfern in sozial-diskriminierender Weise erfolgt. So wurde schweres Räumgerät nach dem Erdbeben zunächst nicht im dicht besiedelten Zentrum von Port-au-Prince eingesetzt, bei dort befindlichen Schulen, Krankenhäusern, etc., sondern in (relativ) dünn besiedelten Außenbezirken, wo Botschaften und Hotels für Ausländer liegen.
3. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat eine Dokumentation ihrer UG-Tagung vom 31.3.-1.4.2009 in Frankfurt/M. (mit den Themen: Verkehr und Lärm, Klimaschutz, Stadtentwicklung und Grünflächen) vorgelegt. Hierzu findet am 9.2.2010 in Frankfurt/M. ein Experten-Workshop zu "Natur-Stadt-Mensch" statt, mit Schwerpunkt Grünflächen und Industriebrachen, kommunale Handlungsmöglichkeiten, UG im Wettbewerb "Bundeshauptstadt der Biodiversität 2010". Infos unter www.duh.de.
4. Die Dokumentation der UG-Fachtagung von BMU und UBA am 27./28.10.08 in Berlin ist erschienen (s.u. Hornberg/Pauli). Zugang über www.uni-bielefeld.de/gesundheitw/umweltgerechtigkeit/index.html.
5. Das Projekt "Umweltgerechtigkeit im Land Berlin" (Leitung: Dr. Klimeczek) bei der Senatsverwaltung Gesundheit, Umwelt, Verbraucherschutz in Berlin - Kooperation mit SenStadt, Gesundheitsamt Mitte, TU Berlin, HU Berlin, UFZ Leipzig, BUND - hat Daten zu vier Belastungsdimensionen (soziale Lage, Lärm, Luftqualität, Grünflächen, Bioklima) auf der kleinräumigen Ebene von Verkehrszellen darstellen lassen. In einem zweiten Schritt wurden die Verteilungen der Einzelbelastungen zusammengeführt zur Verteilung von Mehrfachbelastungen. Weitere Auswertungen sind in Arbeit.
6. In den neuen Ausgaben der Zeitschrift "Environmental Justice" werden u.a. behandelt: UG in Taiwan und Kanada, UG im Lebenslauf (3/2009); UG und Klimagerechtigkeit, UG und CO2-Speicherung (4/2009). Zugang über www.liebertpub.com/env.
Neue Literatur zu UG:
1. Unter Präsident Obama bekommt das Thema Umweltgerechtigkeit (UG) in den USA offenbar wieder politischen Schwung: Mitarbeiter des Weißen Hauses trafen sich mit UG-Repräsentanten (View/Boles 2010), das Energieministerium (DoE) veranstaltete eine dreitägige UG-Konferenz, die Umweltbehörde EPA gab eine neue "rulemaking guidance on environmental justice" heraus, etc.
2. Gleichzeitig gibt es dort neue UG-Konflikte. Z.B. läßt BP riesige Mengen Schlamm, Sand und Schutt, die nach Explosion der Bohrinsel "Deep Water Horizon" im Golf von Mexiko durch das monatelang bestehende Leck des Bohrlochs mit Öl verunreinigt worden sind, durch private Firmen entsorgen. Diese haben dafür neun Deponien in Alabama, Florida, Louisiana und Mississippi ausgesucht; bei fünf von ihnen wohnen in unmittelbarer Nähe der Deponie (1-Meilen-Radius) mehrheitlich Minderheiten. Das von Bullard in "Dumping in Dixie" beschriebene, tendenziell rassistische Muster der Abfallentsorgung der US-Südstaaten ist also weiter aktuell.
3. Auch aus Schottland gibt es Neues: mehrere Publikationen - z.B. Richardson et al, Slater/Pedersen (s.u.) - und einschlägige Konferenzen zu UG - z.B. "Environmental justice, human rights, and environmental law" vom Environmental Law Centre Scotland, Glasgow, 11/2009; "Conference on Strategic Environmental Assessment (SEA)" von der University of Strathclyde, Glasgow, 5/2010.
4. In einer kurzen Studie eines französischen Forschungsinstituts wird UG in Europa analysiert, unter den Perspektiven (a) Vulnerabilität gegenüber Umweltrisiken, und (b) gerechte Umweltsteuern (s.u. Laurent).
5. Das UG-Projekt in Berlin wird fortgesetzt und durch weitere Analysen vertieft. Der Untersuchungsansatz wird in einer im Internet vorliegenden Powerpoint-Präsentation (s.u. Klimeczek) ausführlich dargestellt.
6. In den neuen Ausgaben der Zeitschrift "Environmental Justice" werden u.a. behandelt: UG und Klimawandel, UG und Stadtplanung, ein Treffen von Mitarbeitern des Weißen Hauses mit UG-Repräsentanten (# 1/2010); der 40. Jahrestag des "Earth Day", der 1970 in den USA große Resonanz hatte und die Umweltbewegung schlagartig verbreiterte (# 2/2010). Zugang über www.liebertpub.com/env.
Neue Literatur zu UG: